Zwischen Fankurve und Spielerkabine: Respekt ist keine Nebensache!
Zehntklässler der Oberschule Belm beschäftigen sich am Lernort Bremer Brücke mit Diskriminierung, Rassismus und politischen Einflüssen im Fußball.
Ein Stadion ohne Bierwerbung, dafür mit Wasser und Säften im Kühlschrank: Am Mittwoch, 28. Oktober 2026, wurde der VIP-Bereich der Bremer Brücke zum außerschulischen Lernort für die Klasse 10R2 der Oberschule Belm. Beim VfL Osnabrück stand das Thema „Diskriminierung und politische Einflüsse im Fußball“ auf dem Stundenplan.
Zum Einstieg beschäftigten sich die Jugendlichen mit dem „Barometer der Beleidigungen“. Anhand von Aussagen wie „Du bist eine Schwuchtel!“ oder „Geh zurück in dein Land!“ diskutierten sie, wo vermeintlicher Spaß aufhört und Diskriminierung beginnt. Besonders der Perspektivwechsel machte deutlich, welche Auswirkungen Beleidigungen haben und welche Verantwortung auch diejenigen tragen, die solche Situationen beobachten.

Anschließend erkundeten die von ihrer Klassenlehrerin Marita Würth begleiteten Jugendlichen das Stadion. Die Teamer Eike, Erik und Chama vom Fanprojekt Osnabrück forderten sie auf: „Findet Botschaften von Fans!“ Aufkleber, Graffiti und Schriftzüge sollten unterschiedliche Haltungen in der Fankultur sichtbar machen. „Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“, erklärte Eike. Das Stadion biete einen besonderen Zugang, um gesellschaftliche Themen für Jugendliche greifbar zu machen. Auch Tina Schröter vom Lernort Bremer Brücke begleitete den Vormittag.
Bei der Spurensuche entdeckten die Schüler unter anderem LGBTQ-Aufkleber, ACAB-Sticker und Botschaften gegen Nazis. Archivaufnahmen zeigten sowohl rechtsextreme Parolen als auch positive Zeichen gegen Ausgrenzung. Besonders einprägsam war der Slogan „Love VfL – Hate Racism“. Auch die internationale Initiative „Football Fans Against Homophobia“ setzte ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und gegen Homophobie im Fußball.
Zum Abschluss entwickelten die Jugendlichen in Kleingruppen Antworten auf die Frage: „Was soll es in Stadien und in der Gesellschaft nicht mehr geben – und was können wir dagegen tun?“ Jan Gardt und Justus Schumacher verlegten ihre Arbeitsgruppe dafür kurzerhand in die Spielerkabine des VfL. Neben Forderungen für mehr Respekt entstanden auch motivierende Botschaften an die Mannschaft. Die Zettel durften direkt in der Kabine bleiben – vielleicht lesen die Spieler sie schon bald.

Der Stadionbesuch war Teil der inzwischen 15. Präventionswoche der Oberschule Belm, die Daniel Bölte aus dem Team der Schulsozialarbeit konzipiert hat. Gemeinsam mit den Schulsozialarbeiterinnen Nadia Krabbe und Roxana Striedelmeyer sowie den langjährigen Respect Coaches Marcel Seifert und Thorsten Blender wurden altersgerechte Angebote für die Jahrgänge 5 bis 10 organisiert. Während die Klasse 10R2 den Lernort Bremer Brücke besuchte, arbeiteten die Jahrgänge 5 bis 9 in der Schule an verschiedenen Präventionsthemen.
„Wir möchten Schülerinnen und Schüler dafür sensibilisieren, Diskriminierung zu erkennen und mutig dagegen Stellung zu beziehen – sowohl in der Schule als auch in ihrer Freizeit“, erklärt Daniel Bölte.
Der Lernort Bremer Brücke ist ein Bildungsprojekt des Fanprojekts Osnabrück in Kooperation mit dem VfL-Museum und weiteren Partnern. Die Botschaft des Vormittags bleibt dabei einfach und deutlich: Respekt ist keine Frage der Vereinsfarbe. Er gehört auf den Platz, auf die Tribüne, in die Schule und mitten in unsere Gesellschaft.
