Ehrung unserer Kriegsgräberfürsorge
Belms Oberschüler sammeln seit Jahrzehnten für die Kriegsgräberfürsorge – und die Bürger geben reichlich.
Für das Engagement an den Haustüren wurde die OBS jetzt im Niedersächsischen Landtag geehrt.

Dort, wo während der Umbauzeit des Landtags fast vier Jahre lang die Abgeordneten diskutierten, durften die Belmer Schüler die Ehrung entgegennehmen. In der dritten Reihe des Interims-Plenarsaals, dem „Forum“, saßen die Jugendlichen zwischen einem Dutzend anderer Schüler und vielen Soldaten. Sie alle sollten für ihren Fleiß bei der Sammlung für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Anerkennung und Wertschätzung erhalten.
Unter den in Kompaniestärke aus allen vier Bezirken Niedersachsens eingeladenen Soldaten waren auch etliche Reservisten, die in ihrer Freizeit mit der Sammlung dem Frieden dienen und die Erinnerung an die Opfer der Weltkrieg wach halten wollen. Dass sie nicht nur bei der Haustür- und Straßensammlung aktiv sind, wurde an ihren Ordenspangen auf der linken Brust deutlich: Viele von ihnen haben bei Auslandseinsätzen die Gräuel oder Folgen bewaffneter Auseinandersetzungen selbst erlebt.
„Die Uniformen passten gut zum feierlichen Rahmen“, beobachtete Lisa Jarecki aus der Klasse 10G1, „besonders beeindruckt haben mich die Musiker“. Das Blechbläserquintett des Heeresmusikkorps Hannover zeigte sich stilistisch flexibel und spielte Kompositionen von Georg Friedrich Händel, Michael Kamen sowie Udo Lindenberg.
Neben Lisa Jarecki durften Sophie Friss (9G1) und Lena Paul (10G1) ihren Lehrer Axel Rothkehl zur Feierstunde begleiten. Die drei Schülerinnen waren in den letzten Jahren bei der Sammlung besonders aktiv. „Damit möchten wir den Verstorbenen eine Ehre erweisen und dafür sorgen, dass die Schrecken des Krieges nicht vergessen werden. Beim Sammeln haben uns immer wieder Spender vom Schicksal ihrer Soldatenväter berichtet“, sagte Lisa.

Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne, der auch Vorsitzender des Volksbundes für Niedersachsen ist, lobte den langjährigen Einsatz der Oberschule und erinnerte vom Rednerpult an die große Pflegeaktion der Schüler auf dem Belmer Kriegsgräberfriedhof im vergangenen Jahr.

„Sie waren überzeugend“, rief Tonne allen Sammlern zu, „wir sind stolz darauf, dass es Sie gibt. Ihnen gebührt Respekt und Dank“. Der Volksbund würde immer noch Todesfälle aus beiden Weltkriegen aufklären. Das bedeute für die Familien nach Jahrzehnten endlich Gewissheit. „Da steht dann kein anonymes Grab, sondern ein Name“.
Die Hausherrin, Landtagspräsidentin Hanna Naber, würdigte den Einsatz der Sammler als „in dieser Zeit nicht hoch genug einschätzbar. Sie haben Aufmerksamkeit für Erinnerung und Verantwortung geschaffen. Sie haben sich mit Geschichte auseinandergesetzt und dazu beigetragen, dass sie nicht in Vergessenheit gerät.“
An der OBS Belm koordiniert Lehrer Axel Rothkehl die Volksbund-Aktion. „Es ist immer wieder schön wie sich die Jugendlichen freuen, wenn sie im Geschichtsunterricht eine üppig gefüllte Sammeldose abgeben.“ Wichtig sei allerdings auch, dass die Schüler die Arbeit des Volksbundes kennen und an den Haustüren Auskunft geben können. „Das bereiten wir in der Schule intensiv vor.“
Nach der Ehrung, für die sich Schüler und Lehrer vor der ehemaligen Regierungsbank aufstellen durften, waren sie zu einem Imbiss ins Abgeordnetenrestaurant geladen. Eine Mitarbeiterin des Landtags machte im Anschluss noch eine Ausnahme für die engagierten Belmerinnen: Sie durften in den neuen Plenarsaal huschen und sich für ein Erinnerungsfoto hinter das Rednerpult stellen.

